E-Book - das unbekannte Wesen

Was ist eigentlich ein E-Book genau?

Im Grunde ist es eine stinknormale Web-Seite - es ist fast im selben Code programmiert und kann nicht mehr, als eine Web-Seite kann ... eher weniger.

Ein E-Book soll auf allen möglichen Geräten funktionieren: Auf E-Book-Readern wie Kindle, Tolino etc., auf Tablets, auf Laptops und PCs sowie Smartphones. Die meisten dieser Geräte verwenden unterschiedliche Betriebssysteme, unterschiedliche Leseprogramme und haben unterschiedlich große Displays. Einige können Farbe, andere nicht.

Das stellt den E-Book-Autor vor einen ganzen Sack voller Probleme - die ich Ihnen allerdings weitestgehend abnehmen kann. Einige Entscheidungen müssen dennoch getroffen werden. So geht es zunächst um die Frage, ob Abstriche in der Darstellung gemacht werden, um das Buch für möglichst viele oder gleich alle Lesegeräte anbieten zu können, oder ob Abstriche bei der Verbreitung gemacht werden, weil bestimmte Features erhalten werden sollen, die einfach nicht jedes Gerät darstellen kann. Das geht zum Beispiel mit der Frage los, ob Bilder in Farbe eingebunden werden sollen - auf Schwarz-Weiß-Displays werden die zwar automatisch in Graustufen dargestellt, aber extrem kontrastarm und blaß - eigentlich wäre es für s/w-Displays besser, die Bilder zuvor in Graufstufen zu exportieren und dann zu optimieren. Andererseits kann man sich auch dafür entscheiden eher die Zielgruppe derer bedienen zu wollen, die über Farbdisplays verfügen - gut, wenn man jetzt einen kompetenten Berater zur Hand hat (mach ich doch gerne).

E-Books müssen grundsätzlich für eine bestimmte Zielgruppe konzipiert werden. Wenn Sie zum Beispiel Grafiken, Tabellen und Multimedia-Elemente in Ihrem E-Book einbinden möchten, muss Ihnen klar sein, dass die Nutzer normaler E-Book-Reader damit nichts anfangen können. Bei einem kleinen Display ist das Herumfummeln mit den Navigationstasten und der Zoom-Option in der Regel eine Zumutung. Wenn Sie Din-A-4-Dokumente als Scans einbinden, dann bringen Sie z.B. Kindle-User dazu, das Gerät an die Wand zu klatschen.

Wenn Sie hingegen Tabellen einbinden, die eine gewisse Breite erforderlich machen, damit der Text vernünftig in die Spalten passt, dann sollten Sie sich vorher fragen wie das auf einem Gerät aussieht, bei dem der User eine große Schrift eingestellt hat ... hier ist es manchmal besser die Tabelle in Fließtext oder eine Grafik umzuwandeln.

Eine weitere Einschränkung stellt das international etablierte EPUB-Format dar. Das EPUB ermöglicht es, dass ein E-Book an alle Händler und für alle Reader vertrieben werden kann, denn aus dem EPUB können alle anderen Formate wie MOBI für KINDLE etc. entnommen werden. Damit das klappt, müssen natürlich gewisse Regeln eingehalten werden, die IDPF-Standards. Diese sorgen unter anderem dafür, dass die Dateigröße in einem akzeptablen Rahmen von unter 10 Mb bleibt - Sie können also keine Urlaubsvideos direkt einbinden, höchstens einen Link.

Auch die Verwendung bestimmter Schriftarten sollte überdacht werden:
Viele Reader verwenden ausschließlich integrierte Standardschriftarten. Man kann nun zwar die gewünschte Schriftart in den Text einbetten, aber erstens ist das einigen Reader völlig egal und zweitens geht das nur mit Schriften, für die Sie auch die entsprechenden Rechte besitzen (was keinesfalls für alle auf Ihrem Computer verfügbaren Schriftarten gilt).

Schwierig wird es dann bei Sonderzeichen, wie Aufzählungszeichen etc. Ich empfehle grundsätzlich Standardschriftarten zu verwenden (Times New Roman, Arial etc.) und Sonderzeichen nur wo nötig einzusetzen - diese stelle ich dann in manuell erzeugtem HTML-Code dar.
Bei den Aufzählungszeichen rate ich bei Spiegelstrichen und Bullets (die dicken kleinen Kugeln) zu bleiben, die sind ebenfalls Standard.
Für Pfeile und andere lustige Sonderzeichen muss teilweise unnötig tief in die Trickkiste gegriffen werden, was einfach nicht sein muss.

Noch ein Hinweis:

Unterscheiden Sie bitte grundsätzlich zwischen einem E-Book und einem E-Zine.
E-Zines, also elektronische Magazine, Illustrierte, interaktive Kochbücher und was es sonst noch so alles gibt, sind in der Regel für eine spezielle App konzipiert, die dann natürlich nur von der passenden Hardware gelesen wird. Hierdurch sind Darstellungsfehler weitestgehend ausgeschlossen.

Ein E-Book ist aber ein Buch, das nicht auf eine bestimmte App beschränkt ist. Das ist der Unterschied - ein E-Book muss eigentlich auf allen Lesegeräten laufen, sonst verdient es keine ISBN. Man kann ja schlecht sagen: Kaufen kannst du es, aber ob es auf deinem Gerät läuft ist eine andere Sache. E-Zines sind in der Regel an ein bestimmtes Gerät gebunden, E-Books eben nicht.

Und wie schreibt man nun E-Book richtig?

So: E-Book, so steht es im Duden.
In der Praxis haben sich jedoch auch die Varianten eBook oder Ebook eingebürgert. Vielleicht wird der Duden diese Schreibweise in den nächsten Jahren ja aufnehmen, derzeit jedoch noch nicht.

 

 

 

 

Back to Top